Dienstag, 26. März 2019

Leseprobe: Dox findet das Archiv der Zöpfe



Amba/Dox ist ein junger Kriegerschüler und Schüler des Zaren von Weliki Nowgorod. Er neigt zu Visionen.
Auch diese Geschichte spielt in etwa unserer Zeit in einer Parallelgesellschaft. Lingo Real ist eine Art Esperanto dieser Minderheit. Nur Amba und Nanajez (der Zar) gehören dazu. Die übrigen Personen, die hier auftreten, sind "normale" Menschen, sie gehören zum Archäologenteam des Historischen Museums.
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Sergej, der eine Latzhose mit Werkzeugen trug, ging voraus, stieg hinab und machte viele Fotos. Er hatte auch einen Besen mitgenommen, den trug ich solange. Auf dem Treppenabsatz wartete ich, bis er die Treppe hinter sich gelassen hatte, dann erst folgte ich. Podmorskij hatte ein Funkgerät dabei, das ihn mit Ludmilla verband, und Taschenlampen hatten wir nun auch.

Wir spazierten vorsichtig über die grauen Bohlen. Dicker Staub lag auch hier.
Angeblich war die Basis des Turms aus Mauerwerk, und der Hohlraum sei mit Schutt gefüllt worden.
Ich versuchte, die Stelle zu finden, wo ich durch den Spalt geschaut hatte. Aber die Bretter schlossen dicht aneinander, so dass es nirgends möglich war, in den Raum unter ihnen hineinzusehen.
»Heben wir doch eine Bohle an, die sind nicht lang«, schlug Sergej vor. Zur Sicherung der Fakten machte er erst einmal eine Reihe Fotos. Dann hebelte er eine Bohle aus ihrem Lager, indem er einen großen, dicken Schraubenzieher benutzte, und hob zusammen mit mir das Brett vorsichtig hoch. Der Direktor leuchtete uns mit einer starken Taschenlampe. Eine Staubwolke wirbelte auf, tanzte einen Funkenreigen im Lichtstrahl der Taschenlampe und raubte mir den Atem.

Und da waren sie, die Kästen oder Kartons, auch das vor Staub nicht erkennbar. Aufgetürmt, ebenfalls dick mit Staub bedeckt, erreichten sie fast die Decke des Raums.
»Ah, da sind sie ja«, sagte ich erfreut, »und da ist der Kasten mit der Jahreszahl 1696.«
Ich wischte den Staub mit dem Besen weg, ehe Protest kommen konnte, und die Zahl wurde sichtbar.
Podmorskij starrte mich fassungslos an.
»Woher wusstest du das?«
»Ich habe durch den Spalt geschaut«, antwortete ich.
»Da war nichts zu sehen!«, widersprach er, »die Bretter liegen dicht an dicht, und auch das Licht hätte nicht gereicht.«
»Sollten wir einen zur Probe bergen?« schlug ich vor, um von dem Phänomen abzulenken.

Der Blick hinunter in den Raum machte mich schwindelig. Es mochten wohl 3 Meter Raumhöhe sein, die uns vom Boden der Kammer trennten, und nahmen vielleicht die gesamte Fläche der Turmbasis ein. Wir entfernten das zweite Brett, legten die beiden quer über die Öffnung und hoben den Karton heraus. 
Es war kein Karton, sondern ein solider Holzkasten von einigen Kilo Gewicht. Wir verschlossen den Boden wieder mit den Dielen und trugen den Kasten zur Treppe. Wir mussten sehr vorsichtig gehen, denn die Bretter wippten unter dem nun größeren Gewicht gefährlich. Ich war heilfroh, als wir die Treppe hinter uns hatten. Zum Glück besaß der Kasten Tragegriffe an den Schmalseiten. Da meine Atemnot sich verschlimmerte, bestanden die beiden anderen Männer darauf, das Fundstück zu tragen, und so erreichten wir unter Schnaufen und Keuchen die Tür.

Ludmilla und Nanajez hatten bereits einen der Tische aufgebaut, die an der Wand bereitgestanden hatten, und die Kiste wurde abgesetzt. Ludmilla hatte auch einen alten Staubsauger aufgetrieben, asthmatischer als ich, und unter den wachsamen Augen der Wissenschaftler und fleißigem Fotografieren wurde der Fund entstaubt. Sogar vom Staub verwahrten sie Proben, um eine Pollenanalyse durchzuführen.
Und da war dann die Aufschrift auf dem Deckel zu lesen, die vorher komplett vom Staub verdeckt gewesen war.
Es war Lingo Real in kyrillischer Schrift.
Nanajez übersetzte.
»Unseren Geliebten zum Gedenken verwahren wir hier ihre letzte Gabe. Möge Gott ihnen gnädig sein und ihnen vergeben. Petschory/Petseri/Petschur, Anno Domini 1612—1696.«

»Amba, Sie weinen ja!« rief Ludmilla gerührt. Denn sie sah die nasse Spur, wie sie sich durch den Staub auf meinen Wangen zog, »was um Himmelswillen ist das denn?«
»Es sind abgeschnittene Zöpfe unserer Toten«, antwortete ich mit versagender Stimme.

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"Homsarecs!" 4: Amba und der Zar (Arbeitstitel)
#Homsarecs #urbanfantasy

Dienstag, 12. März 2019

Der Zar und der Priester


»Wann wird er bestattet?« fragte der Zar.

»In zehn Tagen«, sagte der Priester, »so hat er es angeordnet in seinen letzten Stunden. Wir glaubten noch, wir könnten ihn retten, aber dann ging es ganz schnell. Er hat Papiere für Sie hinterlassen, sie sind an ‘seinen Nachfolger, den neuen Zaren’ adressiert, das sind Sie doch?«
Nanajez zog seine Akkreditierung hervor und legte sie auf den Tisch, der Mönch prüfte sie.
»Meinen Glückwunsch«, sagte er, »Sie wissen, wir sind nicht mit allem einverstanden, was Ihren Lebensstil betrifft, das macht es uns nicht leicht, Sie als einen Zaren anzuerkennen.«
»Ich maße mir nicht an, Zar aller Reußen zu sein, sondern nur der unseres kleinen, seltsamen Volkes, ehrwürdiger Vater«, sagte Nanajez leise und in demütiger Haltung.
 »Unser aller Zar ist Christus. Entscheidend ist, ob wir alle Gutes tun«, fuhr der Priester fort, »hier sind die Dokumente, ich wünsche Ihnen eine glückliche Hand.«

Montag, 25. Februar 2019

Homsarecs 4: Dox und der Zar (Arbeitstitel)




Dox ist mein Name, und jeder beginnt zu grinsen, wenn er mich sieht und meinen Namen hört. Denn alle Namen mit einem X am Ende sind weiblich, es sind Namen der Amazonen. Sie zeichnen die Soldatinnen und Polizistinnen meiner Heimatstadt Sukent aus. »Ach, so, ein Amazonerich«, kam es dann spöttisch, »bist du trans?« — »Aber du bist doch ein Unsriger?«
Ja, ich bin ein Homsarec. Ich habe scharfe Zähne, einen heißen Körper, ich atme Somnambulin aus, ich döse höchstens 5 Stunden pro Nacht mit halboffenen Augen, komme bei Verletzungen sogleich in den Kriegerrausch und falle nicht in Ohnmacht.
Die Frage, ob ich transsexuell bin, kommt sehr oft. Ich wusste von Anfang an, dass sich das nicht wird vermeiden lassen, wenn ich den Namen Dox annehme, aber eigentlich heiße ich ja Dené von den Tigern.

Wir schrieben das Jahr 184 .
An einem nebligen, kalten Morgen machte ich mich auf zum ersten Treffen der jungen Rekruten. Ich war damals 16 Jahre alt, hatte lange, bernsteinfarbene Haare — die habe ich immer noch — und olivgrüne Augen. Es war Viertel vor Fünf, als ich aus der Calle Carbon, der Wohnung meiner Mutter, aufbrach, und nach einem kurzen Lauf erreichte ich das Arsenal, passierte das Tor zwischen Mars und Neptun, den Statuen, die militärische Seemacht symbolisieren, und folgte den Hinweisen zum Saal. Hier empfingen uns Offiziere in der Staatstracht der Kampftruppe, im blauschwarzen Kilt mit feinem Schottenkaro in Gold, Türkis und Weiß, zu Stiefeln und einem kurzen Jackett mit dem türkisfarbenen Keder der Sukenter Staatsdiener.
Jeder, der hereinkam, nahm auf einer der Bänke Platz, nachdem er dem Saaldiener mit der Klemmtafel seinen Namen gesagt hatte, damit er mit einer Liste der Anmeldungen abgleichen konnte. Wie man durch die offene Tür sehen konnte, strebten die weiblichen Rekruten zu einer anderen Saaltür, die von Amazonen flankiert war.
Als es vom Turm Fünf schlug -- bei uns eine recht normale Zeit, um eine Veranstaltung zu beginnen --, schlossen die Saaldiener die Türen. Ein dekorierter Offizier trat vor. »Guten Morgen, junge Brüder, ich heiße euch zur Kriegerschulung willkommen. Wir veranstalten die theoretischen Lehrstunden hier in den Hörsälen des Arsenals. Das körperliche Training und die Schulung an den Waffen finden auf der Insel ‘Giardini dei Forti’ statt...«

Was weiter angesagt wurde, konnte ich nur in Bruchstücken hören. Neben mir rutschten unruhige Zeitgenossen auf den Bänken herum, Hyperaktive, die ich schon vom Ausweichen kannte. Die Stadt ist ja nicht groß, man läuft sich dauernd über den Weg, und diese Prachtexemplare unserer Spezies profilierten sich durch verbale Großartigkeit. Eigentlich sind sie nichts Ungewöhnliches, sondern ich bin es, weil ich so gar keinen Antrieb zeige, mich in die Wettbewerbe einzureihen, und dann bekam ich schon hier und da zu hören, ich sollte doch vielleicht der Spitzenklöppelgilde beitreten. Ich habe gelernt, das gelassen zu nehmen.
Nachdem die jungen Protze ihre besten Kontakte für Banketts Alten Stils ausgetauscht hatten, wurden wir gebeten, uns in die Klassenräume zu begeben, trafen bei dieser Gelegenheit auf den Strom der Mädchen, was nicht ohne gegenseitige Kontakte ablief, ob erwünscht oder nicht. Mich schubste einer der Kameraden in den Strom der Mädchen, so dass ich ungewollt eine der jungen Amazonen anrempelte, entschuldigte mich hastig und schloss mich wieder den übermütigen jungen Böcken an.
Als wir unsere Plätze eingenommen hatten, sah ich mich mit einem Schreibtischchen mit Klappfach ausgerüstet. Vor diesem Tischchen stand ein nicht sehr hoher, fest gepolsterter Hocker, der ein bequemes Sitzen im Schneidersitz ebenso ermöglichte, wie man auch die Füße auf den Boden setzen konnte, das stand uns frei. Ich nahm mein Wintertuch ab, legte es zusammen und ins Fach, dazu den Schultersack, einen Beutel aus festem Segeltuch mit Tragriemen, in dem ich mein Schreibzeug und meine Haarbürste aufbewahrte. Den Füllhalter und das Schreibheft legte ich auf den Tisch und fühlte mich plötzlich warm und sanft von hinten umfasst.
»Äh... was wird das jetzt?« murmelte ich und drehte mich um. Es war einer der Jungen, die sich schon beim Einführungsvortrag so unruhig aufgeführt hatten. Und nun tat er sein Möglichstes, um mich zu umgarnen.
»Gehst du bitte auf deinen Platz?« mahnte der Ausbilder, ein älterer Cro , der schon deshalb, weil er Cro war, nicht viel Autorität entfalten würde, wie schon jetzt sichtbar war. Er konnte natürlich jederzeit Wachen rufen, die dann die Einsichten vermitteln würden, die so wahr sind, dass sie wehtun. Aber dazu muss es ja nicht immer gleich kommen. Der Kamerad verabschiedete sich mit einem schwärmerischen »bis nachher in der Kantine!«
Ja, vergiss es. Ich laufe heim die paar Schritte und esse bei Mama.
Das hatten die anderen aufgefangen.
»Oh, er isst bei der Mama!« ging die Hänselei wieder los.

2. BELÄSTIGUNG
Ich versuchte in den ersten vier Wochen, mich an die Anbaggerei zu gewöhnen. Hier ein Arm um die Schulter, da ein Nachbarknie an meinem Oberschenkel. Einen Mond gab ich mir als Dauer, um nicht sofort loszulaufen und mich zu beklagen. Ich habe nicht gezählt, wie oft ich in der Pause fremde Finger aus meinem Lendentuch pflücken musste. Die Jungs taten es untereinander ganz ungeniert, wie es so unsere Art ist, und es war abzusehen, wann es jeder mit jedem einmal getrieben haben würde. Kein Duschen nach dem Sport, ohne dass einige Duschen doppelt belegt waren. Was für ein Glück, dass ich daheim schlief, denn in den Zimmern ging es auch entsprechend lebhaft zu. Da ich mich immer verweigerte, entstanden Gerüchte, ich sei ‘Hete’. Stimmt nicht. Ich bin schwul. So sehr, dass ich von den Angeboten der jungen Amazonen, die sich zu uns ‘verirrten’, noch stärker genervt war.

Eines Tages beobachtete mich eine kleine Frau. Sie folgte mir mit einem Blick, der nicht begehrlich war, sondern eher wachsam, prüfend und — ja, beschützend. Und ich bemerkte, dass das Prüfende den anderen galt und meinen Reaktionen auf ihre Avancen.
Also schaute ich sie an und blieb stehen.
»Dein Name?«
»Dené.«
»Und du bist in der Basisgruppe?«
»Ja, Madame.«
»Fühlst du dich da wohl?«
»Ich versuche es, Madame.«
»Du wirst belästigt?«
»Ja, Madame.«
»Wäre eine Amazone eine Option als Begleitung für dich?«
Ich überlegte. Sie würde mir doch nicht eine Wache an meine Seite abkommandieren? Das wäre demütigend. Wenn ich mir bei meinen Kameraden etwas Ansehen verschaffen wollte, dann ging das nur über Beweise von Stärke, sprich, ich würde mich physisch durchsetzen müssen. Aber das wollte ich nicht. Es kostete alle Beteiligten unnötig Kraft.
»Nein, Madame, das wird nicht nötig sein, vielen Dank«, erwiderte ich mit einer angedeuteten Verbeugung.
Sie legte ihre Hand auf meinen Unterarm: »Wir reden noch drüber, wenn du das willst«, raunte sie mir ein wenig verschwörerisch zu und trabte auf eine Mädchengruppe zu, die sie mit allen Zeichen von Respekt empfingen.
»Das war Amadux, falls du sie noch nicht kennst«, unterrichtete mich mein Kollege, »sie trainiert die Mädchen in Kampftechniken.«
Mir kam der Gedanke, ebenfalls bei ihr lernen zu wollen.

Samstag, 16. Februar 2019

»Komm, Süße, zier dich nicht!«


Und unter dem grölenden Gesang eines Volkslieds zogen sie mich hoch und zwangen mich zu einem eng umschlungenen Tanz durch den dunklen Korridor: »Bleib doch stehn, bleib steh-he-hen, du Allerschönste mei-hein, lass mich dich bese-hen, Freude sollst mir sein!«


Sie hatten mir schon das Wintertuch und meinen Schultersack entwunden, und nun bugsierten sie mich ins Wohnzimmer, wo einer eine Decke über die Chaiselongue breitete, und was das hieß, musste mir niemand erklären. Schon schoben und hoben sie mich auf das Möbel, und der Verfolger, der mich in der Kammer entdeckt hatte, besaß offenbar das Recht des ersten Ficks und spreizte mir die Backen, und ich fühlte etwas Kühles, soviel Rücksicht besaßen sie immerhin, mich zu gelen.
Ein Weiterer wühlte mir in den Haaren. Ich zählte sechs, die mich umstanden und die Aktivität ihres Alpharüden beobachteten.
»Hört auf, ich gehöre Nanajez von den Pfauen!« schrie ich, »ich bin ihm gegeben! Durch meine Mutter!« Aber der Anführer versenkte sich bereits mit einem schmerzhaften Stoß in mir. In diesem Moment erklangen Schritte schwerer Stiefel auf der Treppe und waren schon im Zimmer.
»Sofort lasst ihr ihn los!« erklang eine weibliche Stimme in herrischem Alt, und eine Amazone in voller Kampftracht stand mit gezückter Lanze im Raum. Meinem Beschäler schrumpfte sofort das Volumen.

Donnerstag, 7. Februar 2019

Lelo wird beschuldigt, den Dogen zu stalken

Tarfur, Großkommisar der Kriminalpolizei, wohl der schärfste Hund der Sukenter Wachorgane, kochte ihn weich.

Lelo stritt ab, versuchte, die Beschuldigung zu widerlegen, er hätte einfach nur unüberlegt gehandelt, er hätte nur weg wollen, die Isolation auf Torquato, die arroganten Mädchen, denen er die Wäsche waschen und deren Kritik an seiner Kochkunst er sich jeden Tag anhören musste…

Satz um Satz schlug ihm Tarfur um die Ohren. Lächerliches Gewäsch, erstunken und erlogen, dieses harmlose Getue, dabei sei er ein ganz ausgekochter und kaltblütiger Verbrecher mit klar bewusster krimineller Obsession. Von wegen verrückt, Kunkamanito soll das schnell vergessen. Da ist nichts, was seine Schuldfähigkeit mindert.

Salix versuchte, ihn zu bremsen. »Sie unterstellen ihm, er hätte den Dogen umbringen wollen? Haben Sie je erlebt, dass ein Homsarec einen anderen getötet hat?« fauchte sie.

Tarfur schien es zu hassen, wenn ihm eine Frau in die Parade fuhr. »Weiß man’s?« gab er zurück, »es gibt für alles ein erstes Mal. Und jetzt halt dich raus, Weib. Siehst du nicht, dass wir ihn fast soweit haben?« Salix zog sich mit einem halblaut gemurmelten »blöder Macho!« zurück auf den Stuhl in der Ecke des Raumes und beobachtete weiter.

Tarfur beugte sich über Lelo, der schon aschfahl und verkrampft dasaß und sich kaum aufrecht hielt, und schrie ihn an: »Dich krieg ich klein! Und wenn wir weitermachen, bis du tot umkippst. Das würde ich billigend in Kauf nehmen. Noch mal und so oft du willst: Was wolltest du von dem Dogen? Willst du uns erzählen, du bist in ihn verknallt wie ein Teenie in einen Rockstar?«

Da brach Lelo zusammen, käsig blass, die Tränen liefen über sein Gesicht, und er atmete so lange nicht, dass Salix schon anfing, Befürchtungen zu hegen, dann aber sog er laut und mit den Zähnen klappernd die Luft ein. Ein Cro wäre schon bewusstlos gewesen.

Nun hatte Salix genug. »Schluss jetzt!« rief sie und klingelte nach der Wache.

Samstag, 26. Januar 2019

Über emotionale Abhängigkeiten

Inbegriff des Lohn-Strafe-Systems:
Der Weihnachtsmann. Mein Fingerzeig
fragt, ob der mich denn einfach
hochheben darf??

Gedanken zum Thema

"Autistische contra neurotypische Kommunikation"

Warum wird es als feindlicher Akt betrachtet, wenn man die Äußerungen anderer nicht wahrnimmt, wie es kürzlich in einer Gruppe passierte? Die Frage war, ob wir unsere Mitmenschen lesen können, und meine Antwort war, dass ich die Missbilligung anderer meist nicht wahrnehme und darüber eher froh bin.
Überraschenderweise kam eine scharfe Replik, geradeso, als hätte ich mich bewusst verweigert.
Was passiert, wenn man Aussagen nicht versteht?
Oder gar, wenn man sie nicht wahrnehmen will?
Die Falle der emotionalen Erpressung schnappt dann nämlich nicht zu.
Gegenseitige Kontrolle auf einer halbbewussten emotionalen Ebene funktioniert unter den meisten Menschen auf der Ebene von verbalen Lohn- und Strafe-Systemen. Diese werden einzig durch Subtext, Tonfall und Mimik kommuniziert. Das geschieht auch, während vielleicht über ein banales Thema gesprochen wird. Das Thema ist somit lediglich eine Schiene, auf der die eigentliche Mitteilung von A nach B fährt. Es findet also eine Art Breitband-Kommunikation aus allen verfügbaren Signalen statt.
Nun gibt es aber auch eine sehr menschliche Neigung, mit anderen Menschen nicht nur unverbindlich zu kommunizieren, sondern sie in ein Gefüge von emotionalen Verbindlichkeiten einzubinden, auch wenn es sich nicht um eine Liebesbeziehung handelt.
Die eigentliche Mitteilung ist eine Verheißung von Belohnungen. Sie dienen als Lockmittel und Einladung, versprechen Zuwendung und emotionalen Schutz, sind aber auch Machtmittel, indem sie auch bei Wohlwollen die Gefahr des Entzuges signalisieren, weiter noch, sie arbeiten mit dem Druckmittel des angedrohten und dann ausgeführten Liebesentzugs. Im schlimmsten Fall wird das Fehlverhalten des Opfers durch Drohen mit Abbruch der Beziehung bestraft. Diese Druckmittel funktionieren besonders gut bei Menschen, die ein großes Bedürfnis nach Harmonie und Bestätigung haben, die auch große Anstrengungen machen, die Anbieter dieser emotionalen Geborgenheit zufriedenzustellen und die sehr pflichtbewusst sind. Gerade solche Menschen sind in Gefahr, auf diese Weise in eine Situation von emotionalem Missbrauch zu geraten, denn sie wollen alles richtig machen.
Wenn Empfänger (E) diese Signale nicht oder nur sehr unvollkommen oder falsch wahrnehmen, steigen sie natürlich nicht auf diese Einladung ein, weil sie sie nicht als solche erkennen, trotz der darin enthaltenen Verlockungen. Sie halten sich an den reinen Wortlaut des Gesagten, während für den Breitband-Sender (S)  selbstverständlich ist, dass seine Signale alle ankommen.
Sie tun es bisweilen nicht.
Das kann zwei Gründe haben. Der eine ist, dass E den Subtext tatsächlich nicht wahrnimmt. Das ist das Haupterkennungsmerkmal von Menschen im autistischen Spektrum.
Der zweite Grund kann sein, dass E solche Signale zwar wahrnimmt, aber sie falsch deutet und darum beschließt, sich nicht mehr auf diese zu stützen. Das ist ebenfalls beim autistischen Spektrum möglich. Zu diesen zählt sich die Schreiberin dieser Zeilen.
Sie hat einst erkannt, dass sie die Wahl zwischen Paranoia und eingeschränkter Wahrnehmung hat. Sie hat sich dafür entschieden, sich lieber für doof halten zu lassen, als sich in einem Geflecht von Deutungsversuchen zu verstricken, die sie ohne Hilfe anderer nicht verifizieren kann; aber wer unter den vielen, die solche Geflechte emotionaler Abhängigkeiten errichten wollen, sind eine verlässliche Hilfe für eine solche Verifizierung? Selbst Lehrer und Eltern, Geistliche und Therapeuten sind mehr oder weniger daran interessiert, einen Menschen, der um Hilfe ersucht, in das eigene Machtgefüge einzuordnen.
Darum stellt der NT-Sender verärgert fest, dass ein Teil seiner Mitteilung nicht angekommen ist, und fühlt sich ignoriert; teils ist das auch so, weil die Anstrengung, das Gegenüber zu bestricken und zu faszinieren, nicht funktioniert hat.
Der Empfänger verweigert sich also. Und ehe der Empfänger es begriffen hat, ist er bereits als unfreundlich abgestempelt. Das lag keineswegs in E's Absicht, E hat lediglich auf einer Schiene kommuniziert und sie für die Hauptbotschaft gehalten, die eine Sachaussage enthalten hat. S nimmt diese Aussage jetzt persönlich, weil S nicht glauben kann, dass E rein auf die Nebensache reagiert, aber die Hauptsache ignoriert hat. Doch ist es so. S sendet auf der Hauptleitung, E antwortet auf der Nebenleitung; das Ergebnis ist Zorn bei S, der sich ignoriert fühlt und eine emotional befriedigende Antwort erwartet hat, während E das Problem nicht versteht, das S mit seiner Antwort hat.
S ist jetzt schon so verärgert, dass S alles negativ auslegt, was E noch dazu sagen kann. S ist also in die Falle gegangen, die S selber für E aufgestellt hat, nämlich ein emotionales Machtgefüge aufzubauen. Da E nicht auf dieses einsteigt -- erst deshalb nicht, weil E es nicht bemerkt hat, später vielleicht, weil S sich in seinem weiteren Verhalten als Fallensteller geoutet hat und E jetzt erst recht keine Lust hat, sich in das Lohn-Strafe-System zu verstricken --, reagiert S mit Ablehnung und Schärfe. S wirft E Mangel an Empathie vor. E, wenn in der Lage, dies zu durchschauen, ist erst gekränkt, weil das ja immer kommt, wenn diese Art von "Enttäuschung" vorfällt, fragt sich dann aber, warum eigentlich S in dieser Position der Stärke eigentlich Empathie braucht. Dann kommt E der Verdacht, dass es für S eine schmerzliche Erfahrung ist, wenn jemand sich nicht in sein/ihr emotionales Gefüge begibt. E erkennt: Ich bin nicht darauf eingegangen, mich in diese Konstruktion einordnen zu lassen, die S so viel Sicherheit und Befriedigung gibt. Meine Sicherheit finde ich in der Versachlichung.
Dafür gibt es laut S nur eine Erklärung: Herzlosigkeit.
Dieses Wort kenne ich von meiner Großmutter. Sie benannte es so, wenn jemand sich ihr widersetzte, und sei es aus den besten Gründen. Die sanften DiktatorInnen -- vor allem Frauen! -- sind sehr gekränkt, wenn man nicht auf ihr Diktat einsteigt. Sie können Augenhöhe nur als Konkurrenz empfinden. Freundschaft kann es nur geben, wenn man sich ihrer fürsorglichen Mama-Tyrannei ergibt. Schon eine andere Meinung kann bei S eine giftige Reaktion auslösen. Versachlichung ist per se eine Feindseligkeit. Und da ja Autisten keine Befähigung zur Empathie haben, wie die meisten NT nachbeten, darf man ja ruhig auf ihnen herumtrampeln und ihnen Mangel an Empathie vorwerfen.
Wie empathisch ist das denn?
Das ist mein Versuch einer Erklärung, warum ein Zusammentreffen von Autisten und Narzissten früher oder später in einer Katastrophe endet.

Mittwoch, 26. Dezember 2018

Tag 31: Was sind deine nächsten Ziele, und welche Schritte stehen dir als Nächstes bevor?

  #charactersofoctober #desschreiberswildeträume Fido: Mein Ziel ist es, den Kurs der Annäherung von Menschen und Thieren weiter zu verfo...